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"Als DIY-Blogger muss man viele Rollen ausfüllen"

Ronja Lotte von "Nur noch" ist ein wahres Allround-Talent: Ob aus Papier, Holz, Glas oder sogar vermeintlichem Wegwerf-Artikeln – sie kreiert aus jedem Material eine tolle DIY-Idee. Kein Wunder, dass ihr gerade das Thema Upcycling so am Herzen liegt – wie sie uns im Interview verrät.

Fotos: Ronja / nur-noch.blogspot.de

Liebe Ronja, eigentlich bist du gelernte Bewerbungstrainerin. Wie bist du zum Bloggen gekommen?

Im Jahr 2014 habe ich meine Tätigkeit als Lerncoach und Bewerbungstrainerin aufgegeben, da ich mich selbst in ein Burnout gearbeitet habe. Zum ersten Mal in meinem Leben wusste ich nicht, wie es beruflich für mich weitergehen soll, und um mich von dieser Unsicherheit abzulenken, habe ich angefangen, handwerklich und kreativ zu arbeiten. Den Blog habe ich kurz danach gegründet, um andere Leute zu inspirieren, auch mehr kreativ tätig zu sein. Zu meinem größten Erstaunen war mein Blog sehr schnell ein Erfolg und schon nach zwei Monaten sind die ersten Auftragsanfragen und Jobangebote in meinem Postfach erschienen. So hat sich eins zum anderen gefügt und aus meinem Hobby, welches mich von meiner beruflichen Krise ablenken sollte, ist mein neuer Beruf geworden.

Dein Blog heißt "Nur noch". Was hat es mit dem Namen auf sich?

Als ich meinen Blog gegründet habe, war die Formulierung "nur noch" ein überaus präsenter Bestandteil meines Vokabulars. Mein ganzer Alltag war in "nur nochs" eingeteilt: "Nur noch 10 Minuten nähen und dann höre ich auf", "Nur noch dies zuende machen und dann kann ich weiter meinen Schrank lackieren"… Als ich dann meinen Blog erstellt habe und nach einem Blognamen gefragt wurde, waren die Worte "Nur noch" das erste, was mir eingefallen ist. Da es schon 3 Uhr nachts war und ich davon ausgegangen bin, dass nur meine Freunde und meine Familie den Blog lesen werden, habe ich mich kurzerhand dafür entschieden… und seitdem unzählige Stunden damit verbracht, anderen Menschen meinen Blognamen zu erklären. 3 Uhr nachts ist einfach keine gute Uhrzeit um Entscheidungen zu treffen.  

Und seither macht dir das Bloggen immer noch Spaß?

Am meisten treibt mich die positive Resonanz meiner Leser an. Wenn eine Projektidee bei meinen Lesern gut ankommt, habe ich sofort Lust, mir etwas Neues einfallen zu lassen. Am großartigsten am Bloggen finde ich, dass ich völlig selbstbestimmt arbeiten kann und jeder Tag anders aussieht. Als DIY-Blogger muss man viele Rollen gleichzeitig ausfüllen und jeden Tag springe ich zwischen meinen Rollen hin und her.  

Zwischen den Rollen springen? Wie sieht das konkret aus?

Es passiert zum Beispiel, dass ich an einem Montag den ganzen Tag säge, schleife, bohre und lackiere, um ein neues DIY-Projekt fertig zu stellen, am Dienstag fotografiere ich dann den ganzen Tag und räume meine Wohnung um, um eine Kulisse für einen Foto-Hintergrund zu arrangieren. Mittwochs arbeite ich dann als Bildredakteurin, bearbeite meine Fotos mit Photoshop und schreibe anschließend den Erklärungstext zu den Fotos. Und am Donnerstag bin ich dann den ganzen Tag mit Social-Media-Arbeit beschäftigt und beantworte Leserfragen und Kommentare.

Da fragen wir uns, wo noch Zeit für Ideenfindung bleibt!

Für mich sind Inspirationen eine Kettenreaktion. Wenn ich eine Idee habe, dann kommen sofort mit dieser gleich zehn weitere. Was kann man noch mit diesem Material bauen? Wie würde diese Idee aussehen, wenn ich ein ganz anderes Material verwende?

Du arbeitest ja mit sehr vielen unterschiedlichen Materialien…

Ich liebe es, mit Material zu experimentieren und neue Sachen auszuprobieren. Ich nenne das meine Perioden: Nach einer langen Stoffperiode bin ich zuerst auf Glas und Holz umgestiegen und dann auf Metall. Dann habe ich eine Weile mit Papier und Kork herumgespielt und als nächstes will ich mehr mit Leder und Porzellan arbeiten.

Was hat es mit deiner Rubrik "Upcycling" auf sich?

Upcycling steht für das Aufwerten und Wiederverwerten von Gegenständen und Materialien. Zum Beispiel habe ich einmal Plastikbecher mit Stoff bezogen und als kleine Lampenschirme verwendet oder von einem alten Kinderpullover die Armel abgeschnitten, umgenäht und als Armstulpen getragen. Viele Menschen sehen Upcycling als Gegenmittel für unsere heutige Konsumgesellschaft, aber für mich bedeutet Upcycling vielmehr für eine veränderte Geisteshaltung.

Fotos: Ronja / nur-noch.blogspot.de

Wie hat sich denn deine Geisteshaltung verändert?

Bis vor einigen Jahren habe ich immer alles fleißig weggeschmissen, was ich nicht mehr gebraucht habe. Heute überprüfe ich immer, ob ich nicht noch Elemente von dem besagten Gegenstand wiederverwerten kann. Wenn ich zum Beispiel eine zerissene Jacke habe, trenne ich vor dem Wegschmeißen alle Knöpfe und Reißverschlüsse ab und eventuell sogar noch die Taschen und Bündchen. Das kann ich dann alles später nocheinmal verwenden, zum Beispiel um eine Weste zu nähen.

Gibt es ein Upcycling-Projekt, auf das du besonders stolz bist?

Je mehr Arbeit ich in ein Projekt stecke, desto stolzer bin ich hinterher. Ein Beispiel hierfür ist ein Wäschekorb, den ich mir selber gebaut habe. Für den Rahmen habe ich eine Holzpalette auseinander genommen, einen Bauplan erstellt, die Bauteile zugesägt, alles abgeschliffen, mit einer selbstgemischten Lasierung bearbeitet und zusammengeschraubt. Für den Wäschebeutel, der in das Gestell gehängt wird, habe ich dann ein eigenes Schnittmuster entworfen und diesen hinterher aus alten Bettbezügen zusammengenäht.

Wo hast du all die Handwerkerfähigkeiten gelernt? Du bedienst dich ja wirklich an vielen Künsten!

Die grundsätzlichen Handwerker-Tätigkeiten hat mir mein Vater gezeigt. Schon als Kind habe ich mit ihm zusammen solche Sachen gemacht, wie im Garten eine Holzhütte bauen oder einen Brunnen ausheben. Das Nähen habe ich mir mithilfe von Internet-Tutorials beigebracht und alle anderen Techniken, wie zum Beispiel das Schneiden von Glas, habe ich mir selbst durch das altbekannte Trial&Error-Verfahren angeeignet. Ich probiere einfach solange verschiedene Methoden aus und übe Techniken, bis ich sie zumindest rudimentär beherrsche.  

Welches Handwerk macht dir am meisten Spaß?

Mir bringt eigentlich jedes Handwerk Spaß, mit einer Ausnahme: Ich hasse es Holz abzuschleifen. Da ich keine Werkstatt habe und in der Wohnung arbeite, bedeutet das für mich immer hinterher stundelanges Putzen und im Winter Frostbeulen, da ich wegen des Holzstaubs auch bei Minus-Graden mit offener Balkontür arbeiten muss.

Fotos: Ronja / nur-noch.blogspot.de

Besonders gut gefallen uns die Dinge, die du aus Papier gestaltest, wie zum Beispiel deine Buchvase. Das sieht unheimlich kniffelig, aus. Verlierst du dabei nicht die Geduld?

Vielen Dank für das Kompliment! Ehrlich gesagt, nein. Ich liebe kniffelige Geduldsachen. Meine Vorstellung von Entspannung ist es, stundenlang über einem japanischen Mathe-Rätsel zu brüten oder einen Abend lang per Hand immer wieder dasselbe Muster mit einem Stempel auf Stoff zu übertragen.

Hast du schon konkrete DIY-Ideen für 2016 parat?

Meine Projektliste ist so lang, dass sie noch für 2017 ausreichen würde, aber die größte Neuheit, die ich in 2016 präsentiere, ist der Umzug meines Blogs auf meine eigene Domain mit völlig neuem Design und Layout. Diese ist Ende Februar fertig geworden…

Über Ronja Lotte

Eigentlich ist Ronjas Name Elisabeth –aber als sie im Sommer 2014 den DIY-Blog "Nur noch" gegründet hat, war sie noch zu schüchtern, sich der Welt unter ihrem richtigen Namen zu präsentieren. Das Pseudonym Ronja Lotte war geboren – und heute hat sich Elisabeth so an den Namen gewöhnt, dass sie ihren neuen Namen beibehalten hat. Nachdem sie ihrem Studium der Germanistik und Skandinavistik beendet hat, arbeitete sie zunächst ein paar Jahre als Lerncoach und Bewerbungstrainerin. Heute betreibt sie ihren Blog "Nur noch" in Vollzeit.